Googles „Near me now“– Google unterstreicht Ambitionen in lokaler Branchensuche
Im Bereich Mobile geht es bei Google derzeit wirklich Schlag auf Schlag. Kaum, dass der Internetriese mit der Veröffentlichung der Betaversion seines Suchprogramms Goggles für einiges Raunen im mobile Markt gesorgt hatte, wurde das Google-Phone Nexus One in den USA offiziell präsentiert, was mit einem enormen Feedback im Netz quittiert wurde. Und ganz nebenbei schickt sich Google nun an, mit seiner local Search „Near me now“ einen weiteren Bereich der mobilen Services umzukrempeln und klassischen Branchenverzeichnissen das Wasser abzugraben.
Worum geht es?
Die Idee ist nicht neu: Dem mobilen Nutzer sollen Informationen wie Telefonnummern, Adressen oder Brancheneinträge möglichst elegant zugänglich gemacht werden. Neben einer einfachen Suchmaske setzen die verschiedenen Anbieter von Suchservices bei ihren Angeboten derzeit auf vordefinierte Kategorien, die mobil eine hohe Relevanz besitzen wie Restaurants, Gaststätten, Taxen, Tankstellen, Geldautomaten usf. Damit lassen sich vor allem Einträge im regionalen Umfeld komfortabel anzeigen und die nähere Umgebung branchenspezifisch durchsuchen. Um die Anzeige der Suchergebnisse für den Nutzer noch komfortabler zu gestalten, werden die Ergebnisse auf Kartenmaterial dargestellt und mittels automatischer Standortbestimmung die Route dorthin angezeigt. Klicktel macht es so, Yellowmap und Goyellow auch, DasTelefonbuch arbeitet so und auch DasÖrtliche funktioniert ganz ähnlich.
Wo mischt Google mit?
Bereits im Dezember hat Google in den USA einen Dienst mit dem Namen „Near me now“ vorgestellt. Um den Service nutzen zu können, ist mitnichten die Installation einer neuen Anwendung notwendig. Der Nutzer ruft im Browser seines Handys einfach Google.com auf, und unter dem Suchfeld befindet sich schon der Link zu „Near me now”. Das Ganze gibt es bisher nur in den USA exklusiv für das iPhone (OS 3.x) sowie für Android 2.0.1 und höher. Die vorgenannten Features – automatische Standortbestimmung, Abfrage der Brancheneinträge über vordefinierte Kategorien – werden in „Near me now“ gebündelt und um ein zusätzliches Feature erweitert: User-Bewertungen. Auch das ist so neu jetzt nicht, könnte man mit Blick auf den bekannten Vertreter Qype einwenden. Allerdings hat Google gegenüber den zahlreichen Mitbewerbern einen entscheidenden Vorteil: Während jedes Branchenverzeichnis sein eigenes Süppchen kocht, kann Google auf seinen immensen Datenbestand zurückgreifen und bündelt in seinem Service die Informationen – Telefonnummern, Adressen, Bewertungen – verschiedener Portale. Hinzu kommen Daten, die Goggle, beispielsweise über sein Branchencenter selbständig akquiriert.
Warum lokale Suche?
Vieles spricht dafür, dass lokale Suchabfragen auf mobilen Geräten eine weitaus höhere Relevanz besitzen als online. Einer Studie der BITKOM zufolge wird im Jahr 2010 der Umsatz mit mobilen Datendiensten voraussichtlich um 8 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro steigen. Dass Google auf diesem Gebiet verstärktes Interesse zeigt, mag auch Googles Interesse am lokalen Suchportal Yelp illustrieren. Gegen Ende des vergangenen Jahres hatte Google versucht, das Portal zu übernehmen. Der Deal war schließlich aufgrund der ablehnenden Haltung von Yelp geplatzt, zeigt aber, in welche Richtung Googles Engagement geht. Auch hierzulande geht Google auf Kuschelkurs mit Bewertungs- und Branchenanbietern: Wer heute bei Google Maps in die Brancheninformationen schaut, dem werden Bewertungen von Qype oder meinestadt.de präsentiert, und die Branchen-Daten kommen teilweise von den GelbenSeiten, mit denen eine Kooperation geschlossen wurde.
Traditionsmarken unter Druck
Problematisch für die Anbieter, die sich bisher auf dem Markt tummeln, ist vor allem die Tatsache, dass diese teils immensen Aufwand in die Recherche und Pflege ihres Adressbestands stecken müssen. Gewachsene Strukturen aus dem Printbereich führen dazu, dass Branchenkunden für einen Eintrag zahlen müssen. Die Wege vom Adressverkäufer bis in die Datenbank sind nicht selten sehr lang, was dazu führt, dass die Daten teils nicht aktuell sind. All diese Probleme hat Google zukünftig kaum: Wer im Internet gefunden werden möchte, trägt einfach seine Daten im Google Branchenservice ein. Bei der Konsolidierung veralteter Daten setzt Google auf das Regulativ einer aktiven Community. Und auf das aktive Engagement der Branchenkunden selbst. Für die Kundengewinnung gilt auch beim Thema Brancheneinträge schon längst: Wichtig ist, von Google gefunden zu werden. Diese Einsicht dürfte in den kommenden Jahren auch bei dem kleinsten mittelständischen Handwerksbetrieb angekommen sein.




